Engineering Systems

Ein durchgängiger digitaler Faden – von der Anforderung bis zur Fertigung

Für die Entwicklung unserer Anlagen haben wir eigene Engineering-Werkzeuge aufgebaut: ein Requirements- und Traceability-System über drei Ebenen, ein parametrisches CAD-System mit Geometry Nodes und semantischer PMI sowie einen normkonformen Datenexport nach ISO 10303.

3
Ebenen im Closed-Loop-Requirements-Engineering
15
Arten von Form- und Lagetoleranzen semantisch abgebildet
Ed. 4
AP 242 – Export mit semantischer PMI und gespeicherten Ansichten
0
Schemafehler bei der Validierung der Referenz-Exporte
Oberfläche unseres CAD-Systems: Flansch mit PMI, Normprüfung und Geometry Nodes

01 · Requirements & Traceability

3-Layer Closed-Loop Engineering

Anforderungen, Komponenten, Dokumente und Randbedingungen bilden einen gemeinsamen Graphen. Jede Entscheidung hat einen Ursprung, einen Beleg und einen Zeitpunkt – und jede Änderung wird dort sichtbar, wo sie wirkt.

  1. Layer 1

    System

    Gesamtziele, Randbedingungen und Systemanforderungen – etwa Produktmenge, Standort und Genehmigung. Hier wird geplant, beauftragt und freigegeben.

  2. Layer 2

    Gesamtanlage

    Schnittstellen und Bilanzen zwischen den Baugruppen: Wärme, Stoffströme, Drücke und Temperaturen.

  3. Layer 3

    Baugruppen

    Detailentwicklung von Linsenfeld, Optik, Wärmespeicher, DAC, Elektrolyseur und Synthese – parallel, mit eigenen internen Runden.

Der geschlossene Regelkreis

  1. 1
    Planen

    Eine Planungsrunde verteilt Aufträge an die Baugruppen.

  2. 2
    Entwickeln

    Die Baugruppen arbeiten parallel und schlagen Ergebnisse zur Freigabe vor.

  3. 3
    Freigeben

    Die nächste Planungsrunde prüft und gibt frei – jeder Knoten mit Beleg.

  4. 4
    Rückkoppeln

    Ändert sich eine Datei oder Anforderung, wird alles Abhängige über alle Ebenen als „verdächtig“ markiert, bis es bestätigt oder überarbeitet ist.

Trace-Kit: der Regelkreis als Werkzeug

Das Trace-Kit setzt den Ansatz technisch um – als Kommandozeilenwerkzeug mit automatischen Regelprüfungen und einem Viewer, der das Projekt als Zeitachse darstellt.

Belegpflicht

Jeder Knoten verweist auf eine Datei, Entscheidung, Quelle oder Ableitung. Unbelegtes wird ausdrücklich als Annahme geführt.

Drift-Erkennung

Ändert sich eine verknüpfte Datei – etwa ein CAD-Modell –, wird die Abweichung mit Knoten, Datei und Zeitpunkt gemeldet.

Impact-Analyse

Abhängige Knoten werden direkt und indirekt über alle Ebenen als verdächtig markiert, bis der Verantwortliche entscheidet.

Revisionssicherheit

Freigegebene Stände werden nie überschrieben, sondern versioniert. Ein hash-verkettetes Journal protokolliert jeden Schritt.

Hauptansicht des Trace-Kit-Viewers mit Baugruppen als Spalten und Runden als Zeilen
Hauptansicht: Baugruppen als Spalten, Entscheidungsrunden als Zeilen, Abhängigkeiten als Kanten.
Unteransicht der Baugruppe Wärmespeicher mit internen Runden
Gekapselte Unteransicht einer Baugruppe mit internen Runden und Freigabevorschlägen.
Detailansicht eines verdächtigen Knotens mit Drift
Knotendetail: Verdacht, Drift an der CAD-Datei, Belege und nächste Schritte.

Darstellungen aus einem Testszenario.

02 · CAD & Geometry Nodes

Parametrisches CAD, in dem jede Operation ein Node ist

Unsere Baugruppen konstruieren wir in einem selbst entwickelten parametrischen CAD-System. Jede Operation der Timeline – Skizze, Rotation, Bohrung, Muster, Baugruppenbeziehung – ist zugleich ein Node im Geometry-Nodes-Graphen. Modelle bleiben dadurch nachvollziehbar, parametrierbar und automatisierbar.

Parametrik

Maße als benannte Parameter; Änderungen laufen konsistent durch Teil und Baugruppe.

Zwei Sichten, ein Modell

Timeline und Node-Graph zeigen dasselbe Modell – mit Swimlanes je Körper.

Bestimmtheitsanalyse

Freiheitsgrade von Skizzen und Baugruppen werden laufend ausgewertet.

Automatisierbar

Modelle lassen sich per Befehl aufbauen, versionieren und automatisch testen.

CAD-Anwendung mit Flanschverbindung im Halbschnitt und PMI
CAD-Anwendung (Entwicklungsstand): Flanschverbindung im Halbschnitt mit PMI.
Geometry-Nodes-Graph der Flanschverbindung
Geometry Nodes: Parameter, Skizze, Rotation, Bohrung, Kreismuster, Spiegelung und Baugruppen-Transfer.

03 · Product and Manufacturing Information

Semantische PMI direkt am 3D-Modell

Unsere Modelle tragen ihre Fertigungsinformation selbst – nicht als Bild einer Zeichnung, sondern semantisch: Jede Angabe ist mit den betroffenen Flächen und Kanten verknüpft, kennt ihre Bezüge und wird maschinenlesbar nach AP 242 exportiert. Das ist die Grundlage für modellbasierte Fertigung und Prüfung (MBD).

Was die PMI abbildet

AngabeBeispiel am FlanschGrundlage
Maße und Grenzmaße⌀220, ⌀114,3, 18 ±0,3ISO 14405-1
Passungen8× ⌀18 H13ISO 286
AllgemeintoleranzenISO 2768-mKISO 2768
Form- und LagetoleranzenEbenheit 0,05 · Rechtwinkligkeit ⌀0,1 · Parallelität 0,1 · Rundlauf 0,3ISO 1101
Bezüge und BezugssystemeA (Dichtfläche), B (Bohrung ⌀107,1), A|BISO 5459
Lochbilder und Muster8 Bohrungen auf TED ⌀180, Teilung 45°ISO 5458
Maximum-Material-BedingungPositionstoleranz mit ⓂISO 2692
OberflächenbeschaffenheitRa 6,3ISO 21920-1
TolerierungsgrundsatzNotiz ISO 8015ISO 8015

Jede Annotation ist ein Node

Element, Toleranzwert und -zone, Modifikatoren, Bezüge, Platzierung und die zugehörige AP-242-Entität – alles ist explizit modelliert und damit prüfbar.

PMI-Nodes mit Bezügen, Position, Maßen und Form- und Lagetoleranzen

Normprüfung vor der Freigabe

Ein Regelwerk liest das Modell und meldet Lücken, bevor gefertigt wird: unterbestimmte Skizzen, fehlende oder unvollständige Bezugssysteme, Lagetoleranzen ohne theoretisch genaue Maße. Jeder Hinweis führt direkt zum betroffenen Node.

Prüfpanel mit Hinweisen zu Bestimmtheit, ISO 1101 und ISO 5459

04 · Datenaustausch nach ISO 10303 (STEP)

AP 242 und AP 238: eine Datenbasis für Konstruktion und Fertigung

Konstruktions- und Fertigungsdaten schreiben wir in offenen, genormten Formaten. Geometrie und semantische PMI werden einmal definiert und unverändert in die Fertigungsplanung übernommen – ohne erneute Eingabe und ohne Interpretationsspielraum.

  1. Anforderung
  2. CAD-Modell
  3. Semantische PMI
  4. AP 242
  5. AP 238 · STEP-NC
  6. Fertigung
ISO 10303-242

AP 242 – Managed model-based 3D engineering

Export nach Edition 4: B-Rep-Geometrie, semantische PMI, grafische Präsentation als Polylinien, gespeicherte Ansichten und Validierungseigenschaften – aufgebaut nach den Recommended Practices des MBx-IF (vormals CAx-IF) für PMI, Version 4.1.

ISO 10303-238

AP 238 – STEP-NC

Edition 2 ist mit AP 242 harmonisiert. Unser Export überträgt dieselbe Geometrie und semantische PMI in das Fertigungsmodell; darauf setzen Bearbeitungs-Features, Arbeitsschritte und Werkzeuge auf. Anders als G-Code beschreibt STEP-NC die Bearbeitungsaufgabe – nicht nur Achsbewegungen einer bestimmten Maschine.

Validierung

Geprüft statt angenommen

Jede Exportdatei wird zurückgelesen und automatisch geprüft: Syntax und Schema nach ISO 10303-21, die Regeln des Anwendungsprotokolls sowie eigene Prüflisten nach den Recommended Practices. Die Referenz-Exporte bestehen diese Prüfungen ohne Fehler.

Einblick in den Export

Jede Annotation wird als eigenständige STEP-Entität geschrieben: Bezüge als Datum Features, die tolerierten Flächen als Shape Aspects – eindeutig mit den Flächen der B-Rep-Geometrie verknüpft. Empfangende Systeme können die PMI so auswerten, statt sie nur anzuzeigen.

Ausschnitt einer AP-242-Datei mit Bezügen, Shape Aspects und Toleranzen

05 · Normen

Normen und Referenzen

Norm / ReferenzGegenstandVerwendung
ISO 10303-242Managed model-based 3D engineeringModell- und PMI-Austausch (Edition 4)
ISO 10303-238Model based integrated manufacturing (STEP-NC)Fertigungsmodell (Edition 2)
ISO 10303-21Austauschformat (Part 21)Dateiformat und Syntaxprüfung
MBx-IF / CAx-IF RPRecommended Practices for PMI (AP242), v4.1Semantik, Präsentation, Validierungseigenschaften
ISO 1101 · ISO 5459 · ISO 5458Geometrische Tolerierung, Bezüge, MusterForm- und Lagetoleranzen
ISO 8015 · ISO 2768 · ISO 14405-1 · ISO 286Grundsätze, Allgemeintoleranzen, Maße, PassungenMaßtolerierung
ISO 2692 · ISO 21920-1Material-Bedingungen, OberflächenangabenModifikatoren und Oberflächen

Sie möchten unseren Engineering-Ansatz im Detail kennenlernen?

Gern zeigen wir Ihnen Werkzeuge, Datenmodelle und Beispielexporte in einem persönlichen Gespräch.

E-Mail schreiben